IBA’27, Was zwischen den Häusern passiert

1927 baute Stuttgart auf dem Weissenhof die Zukunft. In wenigen Monaten entstanden 33 Häuser von Architekten wie Mies van der Rohe und Le Corbusier. Bei Le Corbusier verschwanden die Betten tagsüber im Schrank, nachts machten Schiebewände aus dem Wohnraum kleine Schlafkabinen. Die Wohnung als clevere Maschine.

Genau Hundert Jahre später gibt es wieder eine Bauausstellung in der Region: die IBA’27 StadtRegion Stuttgart, von April bis Oktober 2027. Und die Frage hat sich verschoben. Es geht weniger darum, wie viel Funktion in einen Raum passt, sondern darum, was zwischen den Häusern passiert. Wo begegnen sich Menschen? Wem gehört der Platz vor der Tür? Und was kann Architektur dazu beitragen, dass eine Nachbarschaft mehr ist als eine Ansammlung von Klingelschildern?

Ausstellungsort ist diesmal nicht ein einzelner Hügel, sondern die ganze Region. (Aus dem IBA-Umfeld hört man hinter vorgehaltener Hand, Esslingen sei darin die schönste Stadt. Wir widersprechen nicht. 🙂 )

Eines der offiziellen IBA-Projekte liegt bei uns im Esslinger Norden: das Tobias-Mayer-Quartier. Dafür gibt es gleich drei Gründe. Das Quartier wurde mit viel Beteiligung der Bürger*innen und einem großen Architekturwettbewerb geplant. In seiner Mitte entsteht ein Gartenfeld, das nicht hinter Zäunen liegt, sondern allen offensteht. Und ein professionelles kommunales Wohnungsunternehmen, die EWB, arbeitet mit einer Initiative aus der Zivilgesellschaft zusammen um das Quartier zu entwickeln: mit uns.

Diese Kombination findet die IBA besonders spannend. Sie könnte zeigen, wie bezahlbarer Mietwohnraum entsteht, der dauerhaft bezahlbar bleibt, weil er selbstverwaltet ist und niemand daran verdienen muss. Eine Blaupause für andere Quartiere, wenn es gut geht. Und eine Menge Excel-Tabellen auf dem Weg dorthin.

Für uns ist das Quartier kein Ausstellungsstück. Wir betrachten unsere Umgebung als etwas, das man gestalten kann, und suchen dafür das Gespräch: mit künftigen Nachbar*innen, mit Vereinen, mit allen, die für ihr Quartier, ihren Stadtteil oder ihre Stadt Verantwortung übernehmen wollen.

Aus solchen Gesprächen entsteht etwas, das sich schlecht bauen lässt: Kontakt und Verständnis füreinander. Wer sich kennt, rückt näher zusammen, die Ränder werden weicher, und weniger Menschen sitzen abends allein in ihrer Wohnung. Vielleicht ist das die eigentliche Bauinnovation unserer Zeit. Sie braucht keine Schiebewand. Nur Leute, die miteinander reden und dabei bleiben.

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