Kein Lidl, keine Container – Flandernfest 2026

Am 20. September war wieder Flandernfest, und wir waren natürlich mit unserem Infostand dabei. Für uns ist das kein Infostand wie jeder andere, wer hier an Stand, vorbeischlendert, ist nicht einfach Publikum, sondern künftige Nachbarschaft. Und die weiß vieles, was in keinem Bebauungsplan steht: was im Viertel fehlt, was gut funktioniert und wo man sich am Nachmittag trifft. Wir gehen zum Flandernfest deshalb nicht nur, um zu erzählen, sondern vor allem um zuzuhören.

Manche kamen zielstrebig auf uns zu („Ihr seid doch die mit den Kettenhäusern, wie weit seid ihr?“), andere blieben eher zufällig zwischen Hüpfburg und Kaffeestand bei uns hängen. Beides mögen wir sehr.

Eines war dieses Jahr allerdings anders. Die häufigste Frage lautete nicht „Wie funktioniert eigentlich ein Direktkredit?“, sondern: „Stimmt es, dass …?“ Um das Tobias-Mayer-Quartier kursiert gerade einiges, und so wurde unser Stand zwischendurch zur kleinen Gerüchte-Sprechstunde. Die wichtigsten Ergebnisse:

Nein, es kommt kein Lidl.
Nein, es kommen keine Wohncontainer.
Nein, es kommt kein Gewerbegebiet mit Gesenkschmiede.
Und nein, es bleibt auch nicht einfach alles, wie es ist.

Wir können gut verstehen, woher die Unsicherheit kommt. Wenn auf einer Fläche lange nichts passiert, füllt sich die Lücke mit Vermutungen. Brachflächen sind eben guter Nährboden, auch für Geschichten. Die Normenkontrollklage hat das ganze Quartier massiv ausgebremst, für alle, die hier wohnen oder einmal wohnen wollen, uns eingeschlossen. Wir hoffen sehr, dass sie bald abgehakt ist. Bis dahin arbeiten EWB, Stadt und AlWo1 weiter an einem gemeinsamen Tobias-Mayer-Quartier. Und wer seine Informationen lieber aus erster Hand bezieht: Sprecht uns an. Wir wissen auch nicht alles, aber wir sagen dazu, was wir nicht wissen.

Ein paar Schritte weiter hatten wir das Infohaus in der Kantinenstraße 14 geöffnet. Dort steht unser Kettenhaus-Modell im Maßstab 1:33. Ein Mensch von 1,80 Metern wäre darin etwa daumengroß, das ganze Projekt passt so auf zwei große Tische. Es ist eine gute Größe das Projekt im Überblick zu behalten. Nicht viele Besucher*innen haben den Abstecher gemacht, aber die, die kamen, haben sich Zeit genommen, sich über die Laubengänge gebeugt und ihre künftige Nachbarschaft einmal von oben betrachtet.

Danke an die Vereine und Initiativen aus dem Esslinger Norden, die dieses Fest jedes Jahr auf die Beine stellen. Nächstes Jahr sind wir wieder da. Vielleicht mit weniger Gerüchten. Und hoffentlich mit einem Baustellenschild.

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